Das Mehrachsige Tourbillon erweitert den klassischen einachsigen Käfig, indem es ihn gleichzeitig auf zwei Ebenen (Double-Axis) oder drei Ebenen (Triple-Axis) rotieren lässt. Ein normales Tourbillon dreht Unruh und Hemmung in einer Ebene und mittelt die Schwerkraft nur dann gut, wenn die Uhr flach liegt oder senkrecht steht. Indem der Käfig durch mehr Lagen gekippt und gedreht wird, bleibt die Unruh fast nie zweimal im gleichen Winkel. Die Idee verdichtete sich 2004, als Greubel Forsey mit dem Double Tourbillon 30 Grad seine erste Fundamental Invention vorstellte und Jaeger-LeCoultre im selben Jahr das kugelförmige Gyrotourbillon präsentierte.
Echte Beispiele zeigen die ganze Bandbreite dieser Nische. Das Greubel Forsey Double Tourbillon 30 Technique setzt einen um 30 Grad geneigten Innenkäfig, der sich alle 60 Sekunden einmal dreht, in einen Außenkäfig, der alle vier Minuten eine Umdrehung macht; es gewann den ersten Preis beim Concours International de Chronométrie mit Rekord 915 von 1.000 Punkten. Die Preise sind meist auf Anfrage, eine gebrauchte Historique in 18 Karat Rotgold liegt bei rund 500.000 Euro, eine auf acht Stück limitierte Sapphire-Version nahe 1,1 Millionen Euro. Bei Jaeger-LeCoultre reicht die Linie vom Master Gyrotourbillon 1 von 2004 bis zum Reverso Tribute Gyrotourbillon von 2016; das Triple-Axis Gyrotourbillon à Stratosphère von der Watches & Wonders 2026 nutzt drei Titankäfige mit 20, 60 und 90 Sekunden und deckt 98 Prozent der Lagen ab, im 950er Platingehäuse, limitiert auf 20 Stück. Etwas zugänglicher ist das Girard-Perregaux Tri-Axial Tourbillon, ein Triple-Axis bei rund 320.000 Dollar.
Beim Kauf sollten Sie klären, was die zusätzliche Achse praktisch bringt. Ein Double-Axis-Käfig liefert gegenüber dem einachsigen Tourbillon einen klaren chronometrischen Gewinn; eine dritte Achse ist vor allem eine Ingenieursleistung und verschiebt die Alltagsgenauigkeit nur am Rand. Achten Sie auf das Käfiggewicht, das nötige Drehmoment für die Hemmung und die Gangreserve, denn mehrachsige Käfige sind energiehungrig. Bedenken Sie, dass der Service markengebunden ist und Ersatzteile Jahre brauchen können. Diese Kategorie passt zu Sammlern, denen die Mechanik wichtiger ist als das Budget und die den Regler am Handgelenk in Bewegung sehen wollen.
Innerhalb der Nische zählen die Untertypen. Der kugelförmige Gyrotourbillon-Käfig wirkt visuell stark, ist aber schwerer zu warten, während Greubel Forseys geneigtes Double-Axis-Layout klarer ablesbar ist und den Chronometrie-Rekord vorweisen kann. Modelle wie die Purnell Escape II stellen zwei Triple-Axis-Käfige nebeneinander und verdoppeln so den Mittelungseffekt. Einstiegs-Tourbillons von Memorigin oder Sugess zwischen 5.000 und 9.000 Dollar sind meist einachsig, ein echtes mehrachsiges Werk bedeutet daher fast immer einen fünf- oder sechsstelligen Preis.