Ein Sunburst-Blau Zifferblatt erhält seinen Charakter durch feine Linien, die strahlenförmig vom Zentrum nach außen gebürstet sind und sich wie Sonnenstrahlen über die Fläche fächern. Üblicherweise wird ein Messing-Rohling auf der Drehbank gebürstet und anschließend mit blauem Lack oder Farbe überzogen, gelegentlich mit einem Verlauf zum Rand hin. Der Reiz liegt darin, dass die Farbe nie statisch ist: dreht sich das Handgelenk, fangen die Linien das Licht aus wechselnden Winkeln, sodass das Zifferblatt im Schatten tiefes Marineblau zeigt und im Tageslicht in klares, leuchtendes Blau übergeht, in dunklen Räumen oft fast schwarz wirkt und unter direkter Sonne aufblüht. Dieses Sunray-Finish war in den 1950er und 60er Jahren verbreitet und ist bis heute fester Bestandteil vintage-inspirierter wie moderner Uhren.
Eine der klareren Umsetzungen ist die Omega Seamaster Aqua Terra 150M, deren sonnengebürstetes Teak-Zifferblatt im Ton 'Summer Blue' einen feinen Verlauf zeigt und in der 41mm-Größe bei rund 6.300 Euro liegt. Die Tudor Black Bay 54 Blue (Ref. 79000B) bringt ein sattes 'Tudor Blue' Sunray-Zifferblatt mit einem COSC-zertifizierten Manufakturwerk und etwa 70 Stunden Gangreserve, am Stahlband bei rund 4.725 Dollar, am Kautschuk bei rund 4.475 Dollar. Günstiger bietet die Tissot PRX 40mm ein wirklich gutes Sunburst-Blau in einem schlanken 10,4mm-Gehäuse, die Quarz-Version um 330 Euro, das Powermatic 80 Automatikwerk etwas darüber. Die Linien Longines Conquest und Spirit decken die Mitte ab, etwa 1.500 bis 2.500 Euro mit blauen Sunray-Optionen.
Achten Sie beim Kauf darauf, dass das Zifferblatt tatsächlich Sunray ist und nicht flach-matt; erkennbar ist es an der radialen Maserung, die beim Kippen unter Licht aufblitzt. Seien Sie skeptisch bei Katalogfotos, da Studiolicht jedes Sunburst schmeichelhaft erscheinen lässt; sehen Sie die Uhr möglichst bei Tageslicht, im Schatten und im dunklen Raum, bevor Sie sich entscheiden. Dunklere Marineblau-Töne wirken elegant und passen zum Anzug, hellere Elektroblau-Töne eignen sich für den Alltag. Der einzige Nachteil: Sunray-Zifferblätter leben vom Licht und können aus bestimmten Winkeln flach wirken, daher hilft ein Blick aus erster Hand.
Bedenken Sie, dass nicht jedes blaue Zifferblatt ein Sunburst ist. Texturierte, pudrige Blautöne wie bei der Grand Seiko SBGA407 'Skyflake' mit dem Spring-Drive-Kaliber 9R65 um 5.800 Euro sind eine andere Ästhetik und werfen nicht dieselbe Sunray-Reflexion. Mikromarken-Optionen von Christopher Ward, etwa die C60 und C65 um 400 bis 1.100 Euro, liefern saubere Sunburst-Blautöne und machen dieses Finish zu einem leicht zugänglichen, budgetfreundlichen Einstieg.