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Besançon

Besançon steht für Chronometer mit der Vipern-Punze des Observatoriums in der französischen Jura-Region: fertig montierte Uhren, 16 Tage nach ISO 3159 geprüft, eine französische Alternative zu COSC.

Besançon bezeichnet die Chronometer-Zertifizierung, die das astronomische Observatorium in der französischen Jura-Region seit 1878 durchführt, sowie deren Emblem, die poinçon vipère oder Vipernkopf-Punze. Eingeführt 1897, unterscheidet sich diese Punze in einem wesentlichen Punkt von COSC: Sie zertifiziert die fertige, vollständig eingeschalte Uhr, so wie sie verkauft wird, nicht das blanke Uhrwerk. Die Prüfung dauert 16 Tage in fünf Lagen und drei Temperaturen nach dem Standard ISO 3159, wobei der tägliche Gang zwischen -4 und +6 Sekunden bleiben muss. Wer besteht, bekommt den Vipernkopf nicht auf das Zifferblatt, sondern auf das Werk graviert, meist auf eine Brücke, die durch den Saphir-Glasboden sichtbar ist.

Nach der Quarzkrise der 1970er Jahre kam die Tätigkeit fast zum Erliegen und wurde Anfang der 2000er wiederbelebt; heute schicken sowohl französische Häuser als auch Schweizer Independents ihre Uhren hierher. Die Pequignet Attitude Poinçon Vipère in limitierter Auflage (Ref. 9060313PV) liegt bei rund 3.500 Euro, ist auf 50 Stück begrenzt und nutzt das hauseigene Calibre Initial. Eine Stufe höher kommt die Rexhep Rexhepi Chronomètre Contemporain I (CHF 55.000 in Gold, CHF 58.000 in Platin) mit Besançon-Zertifikat. Der 2024 vorgestellte Bernhard Lederer Triple Certified Observatory Chronometer trägt die Zulassung von Besançon, Glashütte und Genf; er kostet vor Steuern CHF 146.000 in nur 8 Exemplaren.

Beim Kauf gilt es zu prüfen, ob die Uhr tatsächlich mit Besançon-Zertifikat und Bulletin geliefert wird, denn bei vielen Herstellern ist dies eine optionale, kostenpflichtige Zugabe und kein Standard. Die Punze steht für eine der wenigen Stellen weltweit, die neben COSC und dem deutschen Wempe Glashütte den offiziellen Chronometer-Titel vergeben. Sie passt zum Sammler, der eine französische Herkunft, das Prüfverfahren an der montierten Uhr oder die handvollendete Independent-Arbeit schätzt. Der Nachteil ist die Seltenheit: Das Observatorium zertifiziert nur etwa 100 Uhren pro Jahr, daher sind Referenzen mit Vipern-Punze schwer zu finden.

Die Vipern-Punze ist selbst in Klassen unterteilt und erschien historisch auf Taschenuhren von Häusern wie Zenith und L. Leroy & Cie. Dass Namen wie Kari Voutilainen und Laurent Ferrier heute Uhren aus der Schweiz nach Frankreich schicken, zeigt, dass die französische Zertifizierung in Kreisen der Haute Horlogerie wieder echtes Gewicht hat.

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