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Shenzhen

Shenzhen ist der Maschinenraum der chinesischen Uhrmacherei: über tausend Hersteller, ein aus Hongkong stammendes horizontales Liefermodell und eigenständige, preisgekrönte Marken wie FIYTA und CIGA Design.

Shenzhen ist eine Herkunft, kein Stil: Chinas dichtestes Cluster der Uhrenfertigung und genau der Ort, den die meisten in der Branche meinen, wenn sie von der Uhren-Hauptstadt Chinas sprechen. Mehr als tausend Hersteller, Monteure und Komponentenwerkstätten sitzen hier, direkt nördlich der Grenze zu Hongkong. Das Besondere an Shenzhen ist nicht die Geografie, sondern die Arbeitsweise, ein aus Hongkong übernommenes horizontales Modell. Teilehersteller, Gehäusewerkstätten, Monteure und Markeninhaber agieren als eigenständige Firmen, sodass eine Marke das Gehäuse aus der einen, das Zifferblatt aus der anderen Werkstatt und das Uhrwerk sehr oft von Tianjin Seagull bezieht und das Ergebnis unter eigenem Namen zusammenführt. Diese Flexibilität machte Shenzhen zur schnellsten Lieferkette der Welt, für Quarz, Mechanik und Smartwatches gleichermaßen.

Zwei Marken geben der Herkunft ein Gesicht. FIYTA wurde 1987 gegründet, hat seinen Sitz in Shenzhen und ging 1993 an die Börse von Shenzhen; seit 2003 liefert das Unternehmen eigens entwickelte Weltraumuhren für chinesische Taikonauten und setzte früh auf ungewöhnliche Gehäusematerialien wie Wolfram und Keramik. Die Kollektionen Interstellar und Eastern Grace liegen grob zwischen 100 Dollar und 500 Dollar, die 3D-Time Automatik bei rund 400 Dollar. CIGA Design, 2016 von Zhang Jianmin gegründet, ging einen anderen Weg: Die Blue Planet wurde als erste chinesische Uhr beim Grand Prix d'Horlogerie de Geneve ausgezeichnet und gewann 2021 den Challenge-Preis, in Titan zum Marktstart bei rund 1.099 Dollar. Die aktuelle Blue Planet II reicht von etwa 1.199 Dollar in Stahl bis 1.399 Dollar in Titan, während die Z Series als Tonneau-Skelett in 316L-Stahl, DLC-beschichtetem schwarzem Stahl und Titan Grad 2 mit Seagull-Automatikwerk kommt.

Beim Kauf zählt die Verarbeitung mehr als die Markengeschichte. Das horizontale Modell bedeutet, dass ein Gehäuse aus derselben Werkstatt unter der einen Marke sauber und unter der anderen nachlässig verarbeitet sein kann. Achten Sie deshalb auf Saphirglas, einen verschraubten Gehäuseboden, eine angegebene Wasserdichtigkeit und die tatsächliche Werkquelle, ob Seagull, Hangzhou oder ein japanisches Miyota. Eine börsennotierte, mit Service hinterlegte Marke wie FIYTA bietet einen ganz anderen Kundendienst als eine namenlose Montage, die nur über eine Crowdfunding-Kampagne verkauft wird. Eine Uhr aus Shenzhen passt zum Käufer, der mutiges Design und solide Verarbeitung für vernünftiges Geld will und mehr auf Wert als auf Prestige achtet; der Kompromiss ist, dass Wiederverkaufswert und langfristige Serviceversorgung unsicherer bleiben als bei Schweizer oder japanischen Pendants.

Innerhalb der Herkunft gibt es zwei Extreme. Auf der einen Seite die Flut namenloser Quarz- und Smartwatches, gespeist vom Elektronikmarkt Huaqiangbei, auf der anderen eigenständige, ausgezeichnete Namen wie CIGA Design und FIYTA, die eine eigene Designsprache aufbauen. Wer Letztere sucht, achtet auf eine Marke mit eigenem Gehäuse, eigenem Zifferblatt und einer schlüssigen Designlinie, denn dort steckt der wahre Wert aus Shenzhen.

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