Tantal ist eines der wenigen Elemente, das vom Periodensystem direkt ans Handgelenk von Sammlern gesprungen ist. Seine Dichte liegt bei etwa 16,6 g/cm³, also fast identisch mit 18 Karat Gold, weshalb es spürbar schwer am Arm liegt. Die natürliche Farbe unterscheidet sich von warmem Stahl: ein tiefes, leicht mattes Blaugrau, das mit der Zeit nicht stumpf wird und dem Metall einen ruhigen, ernsten Charakter gibt. Das wichtigste Merkmal ist die Korrosionsbeständigkeit. Tantal widersteht den meisten Säuren, einschließlich Königswasser, und ist biokompatibel sowie nicht allergen auf der Haut. Den Preis treibt vor allem die schwierige Bearbeitung; das Metall verhält sich zäh unter dem Werkzeug und speichert Wärme, sodass eine saubere Politur weit aufwendiger ist als bei Gold oder Platin.
Die Uhrengeschichte des Materials beginnt in den 1980er-Jahren mit Audemars Piguet, dessen erste mechanische Tantal-Royal-Oak, die Ref. 14486TR, das Metall mit Roségold verband, während die Quarz-Championship Ref. 56175TR dieselbe Mischung aus Tantal und Roségold nutzte. Jaeger-LeCoultre baute Ende des Jahrzehnts in der Odysseus-Linie einen Chronographen aus Tantal und Roségold, und Omega versuchte 1993 im Seamaster Diver 300M Chronograph eine Drei-Metall-Mischung aus Tantal, Titan und Roségold. Panerai brachte 2003 den auf 300 Stück limitierten Luminor Marina Tantalium PAM172, der gebraucht heute bei rund 12.000 Euro liegt. Das moderne Aushängeschild ist der F.P. Journe Chronomètre Bleu von 2009: ein 39-mm-Gehäuse aus Tantal, blaues Zifferblatt und ein Roségold-Kaliber 1304 aus 18 Karat. Der Listenpreis liegt bei etwa 34.000 Euro, am Zweitmarkt stieg er deutlich darüber.
Vor dem Kauf sollte man auf das Gewicht vorbereitet sein; anders als Titan ist Tantal kein Leichtmetall und fühlt sich am Handgelenk eher wie Gold an. Prüfen Sie die Oberflächen genau, denn Tantal verzeiht nichts und eine schlampige Politur oder Bürstung fällt sofort auf. Die meisten Tantal-Uhren entstehen in winzigen Auflagen, daher können Verfügbarkeit und Preise am Zweitmarkt stark schwanken, und bei Namen wie F.P. Journe ist mit einem Aufschlag zu rechnen. Das Material passt zum Sammler, der von Stahl gelangweilt ist, aber nicht den Glanz von Gold sucht, jemanden, der ein ungewöhnliches, robustes Metall mit eigenem Look will.
Der Einstieg ist breiter geworden. Microbrands wie Zelos haben Tantal erschwinglich gemacht: die Nova 37mm Tantalum von 2024, limitiert auf 50 Stück, startete bei rund 2.000 Euro und war in Minuten ausverkauft, ergänzt durch Swordfish, Comet und eine Hammerhead, die fast 200 Gramm wiegt. Im oberen Bereich brachte Atelier Wen 2024 die Perception Tantalum 'Hóng' für 10.000 Euro in einer Auflage von 25 Stück, eine integrierte Sportuhr, deren Gehäuse, Armband und Krone aus 99,99 Prozent reinem Tantal gefräst sind und die als erste seriell produzierte integrierte Tantal-Sportuhr beworben wurde. Über diese Spanne berührt das Metall heute Budgets von wenigen Tausend Euro bis in den sechsstelligen Bereich.