Platin-Iridium ist eine Platinlegierung, die mit Iridium gehärtet wird, um die Weichheit des reinen Metalls auszugleichen. Zwei Güten dominieren: Pt900/Ir besteht aus 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium und erreicht geglüht rund 110 HV, während Pt950/Ir mit nur 5 Prozent Iridium mit etwa 80 HV weicher bleibt. Zum Vergleich liegt reines Platin bei etwa 56 HV. In den USA hieß die Legierung in den 1920er Jahren Irido-Platinum, und von den 1930er bis 1950er Jahren wurden Gehäuseböden mit IRIDPLAT, IRID PLAT oder 10% IRID PLAT gestempelt. Iridium hat schon in geringer Konzentration eine starke härtende Wirkung, weshalb es historisch für verschraubte Gehäuseböden und Federn bevorzugt wurde.
In reinster Form findet man dieses Material in Art-déco-Diamantuhren amerikanischer Hersteller wie Hamilton, Wittnauer und Gruen, deren Böden meist IRIDPLAT tragen. Diese Vintage-Stücke werden in Auktionen meist für 1.300 bis 4.000 Euro nach dem Platin-Schmelzwert gehandelt, mit Diamanten und laufendem Kaliber erreichen sie 2.700 bis 7.000 Euro und mehr. Japan nutzte für Gehäuseböden und Federn eine härtere Pt850-Güte mit 15 Prozent Iridium, etwa 160 HV, gestempelt Pt850. Die meisten modernen Schweizer Häuser sind inzwischen auf rutheniumlegiertes Pt950 umgestiegen, weil es sich leichter zerspanen und gießen lässt; Rolex etwa verwendet Platin-Ruthenium. Echtes Platin-Iridium ist deshalb heute eine eher historische Spezialistennische.
Beim Kauf lohnt der Blick auf den Gehäuseboden: IRIDPLAT, IRID PLAT oder eine Pt900/Ir-Marke weisen auf eine echte Platin-Iridium-Legierung hin, während ein bloßer Pt950-Stempel meist ein modernes Rutheniumgehäuse bedeutet. Die US-Vorschriften verlangen 95 Prozent Reinheit für die alleinige Punze Platinum, ein 90-Prozent-Stück wird daher als 900Pt markiert, was den Platinanteil in Tausendstel angibt. Das Material passt zu Sammlern, die Art-déco-Stil und den dichten, matt-weißen Charakter von Platin schätzen und ein robustes Stück suchen, das selten unter den Schmelzwert fällt. Ältere Iridiumgehäuse nehmen nicht ganz die Spiegelpolitur weicherer Güten an und brauchen zur Reparatur das richtige Platinlot, ein fähiger Gehäusemacher ist also wichtig.
Zur Preiseinordnung im breiteren Platinsegment helfen moderne Referenzen: Die Patek Philippe Calatrava 6196P in Platin lag 2025 bei rund 46.800 Euro, die Saxonia Thin von A. Lange & Söhne in Platin bei etwa 45.000 bis 48.000 Euro, und die Royal Oak von Audemars Piguet in 950er Platin beginnt neu über 100.000 Euro. Die meisten dieser zeitgenössischen Stücke nutzen rutheniumlegiertes Pt950, sodass für echtes Platin-Iridium das beste Jagdrevier weiterhin amerikanische Vintage-Auktionen und Estate-Juweliere bleiben.