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Mehrtonalarm

Uhren, deren Alarm als mehr als eine Note erklingt, manchmal als kurze Melodie, statt als einzelnes Summen einer Vulcain Cricket. Eine schmale Nische zwischen gongbasierten Mechanikuhren und digitalen Melodiemodulen.

Mehrtonalarm beschreibt Uhren, deren Alarm aus mindestens zwei unterschiedlichen Noten besteht, mitunter aus einer kurzen Melodie, statt aus einem flachen Summen oder einem einzelnen Tonschlag. Die Idee ist, den Alarm aus der Welt der einfachen Schwingmembran herauszuheben und der Architektur gestimmter Tonfedern von Minutenrepetition und Sonnerie anzunähern. Eine klassische Repetition nutzt zwei Tonfedern, eine tiefe und eine hohe; ein Carillon ergänzt einen dritten Hammer und eine dritte Tonfeder für mehr Noten; ein Westminster-Schlag verlangt mindestens vier Tonfedern und Hämmer. Überträgt man dieses Denken auf den Alarm, trägt das Wecksignal echte Tonhöhe und Form statt eines trockenen Rasselns. Die Alarmtradition, die Eterna 1908 patentierte und Vulcain 1947 mit der Cricket bekannt machte, war einstimmig; der Mehrtonansatz legt akustische Feinheit über dieses Erbe.

Echte Beispiele sammeln sich in zwei Welten. Im mechanischen Spitzenbereich lässt die Patek Philippe Alarm Travel Time Ref. 5520P mit dem Kaliber AL 30-660 S C FUS einen Hammer auf eine Tonfeder im Cathedral-Stil schlagen, die das Werk umrundet und rund 40 Sekunden bei 2,5 Hz klingt, sodass sie eher als Glockenschlag denn als Summer wirkt; der Listenpreis lag bei etwa 204.050 Euro, sie wird nicht mehr gefertigt. 2023 zeigte Patek zu Ehren von Philippe Stern die Minute Repeater Alarm Ref. 1938P-001, die Minutenrepetition und Alarm auf denselben klassischen Tonfedern vereint und auf 30 Stück limitiert war. Die Jaeger-LeCoultre Memovox wechselte vom frühen Summen zur inneren Tonfeder für einen klareren Klang; heute liegt die Master Control Memovox bei rund 11.000 bis 13.000 Euro, die Memovox Timer höher. Am erschwinglichen Ende steht Casios Melody-Reihe aus den 1980ern mit Modulen, die Happy Birthday, Westminster und für jeden Wochentag eine eigene mehrnotige Melodie spielen.

Klären Sie vor dem Kauf zuerst, was Sie unter mehrstimmig verstehen. Suchen Sie das einstimmige Summen einer Vulcain Cricket, ist dies nicht Ihre Kategorie; wollen Sie Tonhöhenkontrast, eine Melodie oder echte Gong-Resonanz, sind Sie richtig. Bei einem mechanischen Gong-Alarm achten Sie auf einen Saphirboden, der Hammer und Tonfeder zeigt, auf angegebene Schlagdauer und Frequenz und darauf, ob die Tonfeder im Cathedral-Stil oder nur einfach umläuft. Die Budgets reichen weit, von einigen Tausend Euro für eine moderne Vulcain über den mittleren fünfstelligen Bereich einer JLC Memovox bis zu sechsstelligen Summen für die Patek. Digitale Melodiemodule bieten Sammlerreiz und Charakter, aber nie die Fülle eines echten Gongs. Servicekosten und der Zugang zu Uhrmachern wiegen bei alten Gong-Alarmen am schwersten.

Hilfreich ist die Trennung zweier Stränge innerhalb der Nische: mechanische Systeme, die Noten aus echten gestimmten Tonfedern erzeugen, und digitale Module, die mehrnotige Melodien über Piezo oder Lautsprecher abspielen. Das erste wählt man für Klangfarbe und Handwerk, das zweite für Praxistauglichkeit und Charakter. Beiden gemeinsam ist, dass der Alarm zum akustischen Erlebnis wird statt zur bloßen Erinnerung, und genau das macht den Mehrtonalarm zu einer kleinen, aber lohnenden Ecke des Hobbys.

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