Eine Vollrotor-Uhr nutzt eine große Schwungmasse, die mittig über den Brücken sitzt und volle 360 Grad dreht, um die Zugfeder aufzuziehen. Weil diese Masse schwer ist und weit vom Drehpunkt entfernt liegt, erzeugt sie mehr Aufzugsdrehmoment als ein versenkter Mikrorotor, weshalb der Zentralrotor zur Standardbauweise der Automatik wurde. Rolex patentierte 1931 seinen frei drehenden 360-Grad-Perpetual-Rotor; dieses frühe Design zog noch in nur eine Richtung auf, der beidseitige Aufzug kam bei Rolex erst mit späteren Kalibern. 1948 lagerte Eterna den Rotor auf fünf Kugellagern, um die Reibung zu senken, eine Neuerung, an die das Fünf-Punkte-Logo der Marke bis heute erinnert.
Das Rückgrat des Alltags sind hier das ETA 2824-2 und sein direkter Nachfolger, das Sellita SW200-1, beide Zentralrotoren, die über Wechselräder beidseitig aufziehen. Auf der japanischen Seite ziehen Seikos NH35 und 4R36 mit dem Magic Lever in beide Richtungen auf, während das Miyota 8215 nur in eine Richtung aufzieht. Eine Stufe höher trägt Tudors Manufakturkaliber MT5602 einen einteiligen Wolfram-Rotor, und Black-Bay-41-Modelle beginnen bei rund 4.900 Euro. Uhren mit Omegas Master-Chronometer-Kaliber 8800, etwa die 38-mm-Aqua-Terra, liegen ungefähr zwischen 7.400 und 10.000 Euro, und Patek Philippe baut sowohl das zentrale 324 als auch den flachen Mikrorotor 240.
Beim Kauf gilt es, Aufzugseffizienz gegen Servicekosten abzuwägen. Eine Uhr mit SW200 oder NH35 kostet etwa 400 bis 2.000 Euro, Ersatzteile gibt es überall und fast jeder Uhrmacher kann sie warten. Der beidseitige Aufzug hält die Zugfeder auch an einem wenig bewegten Handgelenk gefüllt; das einseitig aufziehende Miyota ist einfacher und robust, zieht aber etwas langsamer auf. Bedenken Sie, dass der breite Rotor bei einem Sichtboden viel vom Werk verdeckt; wer die Finissage bewundern möchte, ist mit einem Skelettrotor oder Mikrorotor oft besser bedient.
Für Feinheiten sind offen gearbeitete Vollrotoren ein eigenes Vergnügen. Modelle wie die H. Moser Streamliner Tourbillon Skeleton, die Ulysse Nardin Diver X Skeleton (Kaliber UN-372, 96 Stunden Reserve) und die Parmigiani Tonda PF Skeleton zeigen das Werk über skelettierte oder 22-karätige Goldrotoren, ohne den Aufzugsvorteil des Vollrotors aufzugeben. Die Rotormasse selbst wird aus dichten Metallen wie Wolfram, Gold oder Platin gefertigt, um die Trägheit zu maximieren, was jenes vertraute Gewicht beim Schwingen am Handgelenk gibt.