Ein Mikro-Rotor ist ein Selbstaufzugssystem, bei dem ein kleines Schwunggewicht in die Ebene der Werkplatte versenkt wird, statt über das ganze Werk zu kreisen, was einer Uhr eine deutlich flachere Bauweise als einer klassischen Zentralrotor-Automatik erlaubt. Die Idee tauchte 1958 nahezu gleichzeitig bei zwei Häusern auf: Buren brachte auf Basis des Patents von Ingenieur Hans Kocher die Super Slender heraus, während Universal Geneve den Namen Microtor schützen ließ. Ein Jahr später bewies Piaget das Potenzial der Bauweise mit dem 12P, einer 2,3 mm flachen Automatik, der flachsten ihrer Zeit. Da das Gewicht seitlich sitzt, bleiben Brücken, Perlage und Finissierung durch den Glasboden sichtbar, was den Mikro-Rotor ebenso zur ästhetischen wie zur technischen Entscheidung macht.
Einige Häuser tragen diese Architektur an der Spitze des Fachs weiter. Die Piaget Altiplano nutzt das 2,35 mm flache Kaliber 1200P mit einem dezentralen Platin-Mikro-Rotor, während Patek Philippes Kaliber 240 von 1977 Calatrava, Golden Ellipse und einige Nautilus-Modelle über einen Rotor aus 22-karätigem Gold antreibt. Vacheron Constantins neue Overseas Self-Winding Ultra-Thin läuft mit dem 2,4 mm flachen Kaliber 2550, und Bulgaris Octo Finissimo Automatic verwendet das 2,23 mm flache BVL 138, mit Preisen ab rund 16.000 Euro. Chopards L.U.C XPS bietet mit dem 3,3 mm hohen 96.12-L eine klassischere Lesart.
Beim Kauf zählen zuerst die Bauhöhe und die Lage des Rotors: Ein echter Mikro-Rotor gibt durch den Boden den Großteil des Werks frei, während eine Vollrotor-Automatik es verdeckt. Das Format passt zu allen, die eine wirklich flache Uhr und sichtbare hochwertige Finissierung wollen, mit dem Kompromiss, dass ein kleineres Gewicht weniger Energie sammelt und der Aufzug einem Zentralrotor leicht hinterherhinken kann. Deshalb kombinieren die besseren modernen Beispiele die Bauweise mit Zwillingsfederhäusern und 60 bis 72 Stunden Gangreserve.
Reicht das Budget, ist das Feld der Haute Horlogerie tief besetzt mit Vacheron, Patek, Bulgari und der Parmigiani Tonda PF auf dem PF703. Darunter sitzt Horages hauseigener K2-Mikro-Rotor mit 72 Stunden Reserve in Supersede und Autark um die 4.900 Franken, während Yemas CMM.20-Mikro-Rotor in der Superman Slim bei etwa 2.490 Euro beginnt. Für eine flache, optisch reiche Automatik bleibt der Mikro-Rotor eine der wenigen Kategorien, die sich in Technik und Optik zugleich auszahlt.