Ein Skelett-Rotor ist die Schwungmasse eines Automatikwerks, deren Metall ausgefräst und zurückgearbeitet wurde. Ein gewöhnlicher Rotor ist massiv und verdeckt durch den Glasboden betrachtet rund die Hälfte der Brücken und des Räderwerks hinter einer schwingenden Metallscheibe. Ein Skelett-Rotor ist stattdessen durchbrochen und behält nur so viel Masse, dass die Zugfeder bei Handgelenksbewegung weiter aufgezogen wird, während Finissage und Architektur darunter sichtbar bleiben. Das ist keine Komplikation, sondern eine Gestaltungsentscheidung, und es unterscheidet sich vom voll skelettierten Werk darin, dass hier nur der Rotor selbst geöffnet wird, nicht das gesamte Kaliber.
Die Spanne ist groß. An der Spitze dreht die Audemars Piguet Royal Oak eine Schwungmasse aus 22 Karat Gold über durchbrochenen Brücken, bei den durchbrochenen Tourbillon- und Chronografenmodellen rhodiniert, meist deutlich über 40.000 Euro. Die Piaget Polo Skeleton nutzt das nur 2,4 mm hohe Kaliber 1200S1 mit dezentralem Mikrorotor und lag bei der Keramikversion ab August 2024 bei 42.900 Euro. H. Mosers Streamliner und Endeavour Tourbillon Skeleton verwenden beide das HMC 814 mit ausgehöhltem Federhaus und durchbrochener Gestaltung. Darunter tragen Tudors aktuelle Black-Bay-Modelle das MT5602-U mit durchbrochenem Monobloc-Rotor aus Wolfram und radialer Laserrillung, bei rund 4.000 Euro. Die Tissot Chemin des Tourelles Skeleton mit Powermatic 80 und 80 Stunden Gangreserve beginnt bei etwa 1.000 Euro, die Hamilton Ventura Edge Skeleton bei rund 1.900 Euro.
Entscheiden Sie beim Kauf zuerst, von welcher Seite Sie zusehen möchten. Manche Rotoren sind für den Blick durch den Glasboden durchbrochen, andere von der Zifferblattseite sichtbar, und beide wirken am Handgelenk völlig unterschiedlich. Wolframrotoren sind dichter und schwerer als massives Gold und ziehen daher auch durchbrochen effizient auf, weshalb Marken wie Tudor sie bevorzugen. Achten Sie genau auf die Finissage: echte Anglage, Perlage oder Sandstrahlung trennt ein ernsthaftes Stück von einem Budgetmodell, bei dem der Rotor nur lasergeschnitten ist. Ein sehr aggressiv skelettierter Rotor wirkt leichter, verliert aber Masse, sodass die Aufzugseffizienz sinkt und die Uhr auf dem Schreibtisch schneller stehen bleibt.
Mikrorotoren und periphere Rotoren verfolgen dasselbe Ziel, das Werk nicht zu verdecken, verkleinern die Masse aber oder schieben sie an den Rand, statt sie zu durchbrechen. Wer das Werk gern beobachtet, aber nicht die Ablesbarkeitsnachteile eines voll skelettierten Zifferblatts möchte, fährt mit einer Uhr mit geschlossenem Zifferblatt und Skelett-Rotor meist am ausgewogensten.