Kinetic Direct Drive ist ein Hybrid-Werk von Seiko, das die ältere Kinetic-Architektur einen Schritt weiterführt. Im Kern ist es ein Quarzwerk, lädt seine Zelle aber so, wie ein Automatik seine Zugfeder lädt: Ein schwingender Rotor dreht sich mit der Armbewegung, und der erzeugte Strom wird in einer wiederaufladbaren Zelle gespeichert. Das Besondere steckt im Namensteil Direct Drive. Drehen Sie die Krone, laden Sie die Zelle direkt von Hand, und die Gangreserveanzeige dient zugleich als Echtzeit-Ladeanzeige. Beim Aufziehen wandert der Zeiger auf und ab und zeigt die Erzeugung; halten Sie inne, zeigt er rund vier Sekunden lang die eben erzeugte Energie, bevor er zur Gesamtreserve zurückkehrt. Der 32.768-Hz-Quarz hält das Werk am Handgelenk unter 15 Sekunden im Monat, und eine volle Ladung läuft etwa einen Monat.
Die klarsten Beispiele finden sich in der 2007 vorgestellten Velatura-Linie. Die Velatura Kinetic Direct Drive (Referenzen wie SRH005, SRH011, SRH013 und SRH020) läuft mit Kaliber 5D44, retrograder Wochentagsanzeige, einem Datumsfenster und der Energieanzeige. Eleganter ist die Premier Kinetic Direct Drive Moonphase (SRX011, SRX014): Kaliber 5D88 ergänzt Datum, Tag, einen 24-Stunden-Zeiger für AM/PM und eine Mondphase. Sie misst rund 40mm im Durchmesser und 13mm in der Höhe, ist 100m wasserdicht, trägt ein Saphirglas und kostete im Verkauf über 1.000 Euro. Die Sportura Kinetic Direct Drive (SRG017 in Blau, SRG019 in Schwarz, SRG021) deckt die sportliche Ecke ab. Da das Werk weitgehend ausgelaufen ist, sind die meisten Exemplare heute gebraucht: Velatura-Referenzen liegen bei Chrono24 grob zwischen 330 und 900 Euro, Sportura-Stücke beginnen um 410 Euro, saubere Exemplare landen oft bei etwa 420 Euro.
Worauf es beim Kauf ankommt, ist die Energiezelle. Moderne Seiko-Kinetics nutzen eine wiederaufladbare Zelle statt eines echten Kondensators, und diese Zellen mögen es nicht, vollständig entladen zu liegen; eine jahrelang stillstehende Uhr kann eine schwache Zelle haben, deren Tausch ein Servicethema ist. Bei jeder Direct Drive sollte der Gangreservezeiger beim Drehen der Krone sauber reagieren, die Uhr die Ladung halten und eine volle Aufladung knapp einen Monat laufen. Dieses Werk passt zu Käufern, die das haptische Gefühl einer Automatik mit Quarzgenauigkeit wollen und eine Uhr, die sich beim Tragen selbst speist, ohne Batteriewechsel nach Plan.
Ein großer Teil des Reizes liegt in der Interaktion. Anders als bei den meisten Quarz- oder Solaruhren vermittelt das Kurbeln an der Krone und das Ablesen der eigenen Leistung auf dem Zifferblatt ein Gefühl nahe am Aufziehen einer mechanischen Uhr. Die Velatura Moon Phase zum 100-jährigen Jubiläum (SRX010P1), 2007 lanciert und Ende 2013 eingestellt, bildet eine kleine Sammler-Nische. Behandeln Sie die ganze Familie als Stück aus Seikos experimenteller Phase: technisch geführt und wirklich klug, eher Liebhaberstück als selbstverständliche Alltagsuhr.