Titan Grad 5 ist jene Legierung, die Metallurgen als Ti-6Al-4V kennen: etwa 90 Prozent Titan, 6 Prozent Aluminium und 4 Prozent Vanadium. Diese beiden Zusätze sind der ganze Unterschied. Sie ordnen das innere Gefüge des Metalls neu und treiben die Härte auf rund 350 HV nach Vickers, womit die Legierung härter ausfällt als 316L-Edelstahl. Die Dichte liegt bei etwa 4,43 g/cm3, also rund halb so hoch wie bei Stahl. Das Ergebnis ist ein Gehäusewerkstoff, der eine Kratzfestigkeit nahe an Stahl bietet und dabei so leicht bleibt, dass man ihn am Handgelenk kaum spürt. Genau deshalb ist er bei ernsthaften Taucher- und Werkzeuguhren zur ersten Wahl geworden.
Echte Modelle zeigen, warum die Branche den Werkstoff ernst nimmt. Omega fertigt die Seamaster Planet Ocean Ultra Deep 6000m (Referenz 215.92.46.21.01.001) aus Titan Grad 5; mit 6.000 Metern Wasserdichtigkeit und ISO-6425-Zertifizierung lag die Titanversion 2025 bei rund 8.000 Euro. Panerai geht weiter und sintert beim Submersible GMT PAM01495 Titan-Grad-5-Pulver per DMLS zu einem ausgehöhlten Gehäuse, das gegenüber herkömmlichem Titan etwa 25 Prozent und gegenüber Stahl über 50 Prozent Gewicht spart, zu einem Preis um 49.000 Euro. Am zugänglicheren Ende fräst Christopher Ward Gehäuse, Lünette und Boden der C1 Bel Canto aus Grad 5, auch wegen der akustischen Eigenschaften der Legierung.
Die Lehre für den Kauf lautet: Die Gradangabe auf dem Datenblatt erzählt nicht die ganze Geschichte. Grad 5 ist härter und kratzfester als das handelsübliche Grad 2, doch ein unbehandeltes Grad-5-Gehäuse kann gegen ein DLC- oder PVD-beschichtetes Grad-2-Gehäuse verlieren. Manche Marken wählen Grad 2 bewusst: Tudor baut die Pelagos aus reinem Titan wegen der Korrosionsbeständigkeit und reserviert Grad 5 bei der Pelagos Ultra von 2025 nur für den Boden. Wer eine federleichte Taucheruhr will, das Gewicht von Stahl satthat und den matten, grauen Charakter von Titan mag, liegt bei Grad 5 richtig.
Beim Finish zeigt sich die Legierung anpassungsfähig. Sie nimmt sandgestrahlte, perlgestrahlte und gebürstete Texturen ebenso an wie schwarze oder gunmetalfarbene DLC-Beschichtungen. Mit einer Eigenheit muss man sich anfreunden: Titan scheuert eher, als dass es sauber zerkratzt, und entwickelt bei harter Nutzung eine gleichmäßige Patina. Die einen sehen darin einen Makel, die anderen ehrlichen Charakter über die Jahre.