Carbon-Verbund ist ein Gehäusematerial, bei dem Kohlefasern in einer Harzmatrix gebunden und anschließend unter Hitze und Druck verpresst und ausgehärtet werden. Zwei Verfahren dominieren. Forged Carbon nutzt kurze, zufällig angeordnete Fasern, die in einer Form verpresst werden und ein marmoriertes Muster hinterlassen, das sich von Gehäuse zu Gehäuse nie wiederholt. Carbon TPT dagegen schichtet dünne Lagen von rund 30 Mikrometern, jeweils um 45 Grad gedreht, zu einer gestreiften, gemaserten Oberfläche. Audemars Piguet brachte Forged Carbon zuerst in die Uhrmacherei, mit dem Royal Oak Offshore Alinghi Team von 2007, dem Serienstück, das das Material ans Handgelenk brachte.
Heute deckt das Material eine enorme Spanne ab. Die Doxa SUB 300 Carbon umschließt ein 42,5-mm-Gehäuse aus Forged Carbon mit einer inneren Titankammer für echte 300 Meter und kostet rund 4.390 Euro. Der Carrera Carbon Chronograph von TAG Heuer mit Carbongehäuse, Lünette und Bandanstößen sowie dem hauseigenen Calibre Heuer 02 liegt bei etwa 7.250 Euro. Die Submersible-Linie von Panerai im hauseigenen Carbotech bewegt sich zwischen rund 15.000 und 25.000 Euro. Die vollen Forged-Carbon-Modelle der Royal Oak Offshore von Audemars Piguet überschreiten 30.000 Euro, während Richard Mille Carbon TPT in Referenzen wie der RM 11-03 ab rund 150.000 Euro bis in den siebenstelligen Bereich treibt.
Beim Kauf sollten Sie nach dem tatsächlichen Material fragen. Ein echtes Forged-Carbon- oder TPT-Gehäuse fühlt sich anders an und kostet anders als ein kohlefaserverstärktes Polymergehäuse, und beide werden unter dem Carbon-Label verkauft. Die Leichtigkeit ist der eigentliche Reiz: Dasselbe Gehäuse kann rund 30 Prozent leichter sein als Stahl, was über einen langen Tag spürbar entlastet. Der Nachteil ist die Reparierbarkeit, denn Carbon lässt sich nicht wie Stahl auspolieren, sodass ein tiefer Kratzer meist bleibt. Die nie gleiche Maserung macht zudem jede Uhr ein wenig anders, was nicht jedem gefällt.
Carbon-Verbund passt zu Tauch- und Sportuhrensammlern, die geringes Gewicht und Tragekomfort bei Hitze schätzen. Wer eine klassische Anzugsuhr sucht, ist hier falsch; dieses Material ist für den aktiven Einsatz gemacht, bei dem man die Uhr am Handgelenk vergisst. Luftfahrt- und automobilnahe Verbundwerkstoffe wie Carbonium und Carbotanium sowie das farbige CFT-Carbon von Audemars Piguet aus dem Jahr 2024 zeigen, dass diese Kategorie noch rasch in Bewegung ist.



