Tourbillon
Ein Tourbillon ist eine Uhrenkomplikation, die die gesamte Hemmung in einen drehenden Käfig setzt. Da sich der Käfig fortlaufend dreht, mittelt er den Einfluss der Schwerkraft auf die Gangrate aus. Erfunden wurde es für Taschenuhren, heute gilt es vor allem als Zeugnis von Handarbeit und Prestige.
Auf einen Blick
- Erfinder
- Abraham-Louis Breguet, Patent 1801
- Typische Umlaufzeit
- Eine Umdrehung pro Minute
- Heutige Rolle
- Prestige und Handarbeit statt Genauigkeit
Das Tourbillon zählt zu den eindrucksvollsten Lösungen der klassischen Uhrmacherei und geht auf Abraham-Louis Breguet zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Die Überlegung ist einfach: Bei einer Taschenuhr, die lange in derselben Lage ruht, zieht die Schwerkraft Unruh und Spirale stets in dieselbe Richtung und verfälscht so die Gangrate.
So funktioniert es
Die Antwort besteht darin, die zeithaltenden Teile in Bewegung zu halten, statt sie ruhen zu lassen.
- Drehender Käfig: die Hemmung und die Unruh sitzen gemeinsam in einem Käfig
- Volle Umdrehung: bei den meisten Bauarten dreht sich der Käfig einmal pro Minute
- Ausgemittelter Fehler: die Drehung verteilt die Lagenfehler so, dass sie sich tendenziell aufheben
Warum es heute ein Prestigemerkmal ist
Eine Armbanduhr bewegt sich ohnehin den ganzen Tag mit Ihrem Handgelenk, daher fällt der Lagenfehler weit weniger ins Gewicht als bei einer Taschenuhr. Damit ist das Tourbillon eher ein Beweis handwerklichen Könnens als ein Mittel für Alltagsgenauigkeit: als Komplikation verlangt es Handveredelung, feine Brücken und eine sorgfältig justierte Unruh. Auch deshalb trägt keine erschwingliche japanische Uhr ein echtes Tourbillon.
Beispiele
Bei einer Tourbillon-Armbanduhr lässt sich der Käfig meist durch ein offenes Fenster im Zifferblatt beobachten, während sich Unruh und Hemmung einmal pro Minute langsam drehen.
Vergleich
Ein Tourbillon und eine feste Hemmung verfolgen unterschiedliche Ziele.
| Variante A | Variante B | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Tourbillon (drehender Käfig) | Feste Hemmung | Das Tourbillon mittelt den Lagenfehler aus und zeigt Handveredelung; ein fester Aufbau ist einfacher, robuster und für den Alltag in den meisten Armbanduhren bereits genau genug. |
Verwandte Begriffe
Häufig gestellte Fragen
Macht ein Tourbillon eine Armbanduhr wirklich genauer?
Meist nicht spürbar. Das Tourbillon wurde für Taschenuhren entworfen, die lange ruhig liegen. Da sich das Handgelenk den ganzen Tag bewegt, ist der Lagenfehler einer modernen Armbanduhr ohnehin gering, sodass ein Tourbillon eher ein Beweis von Handwerk als ein Genauigkeitsgewinn ist.
Warum gibt es bei einer erschwinglichen japanischen Uhr kein echtes Tourbillon?
Weil ein echtes Tourbillon einen kleinen, präzise von Hand veredelten Käfig und viele Stunden Justierarbeit erfordert. Dieser Arbeitsaufwand passt nicht zur Großserienfertigung, die erschwingliche Uhren preislich stark macht, daher findet es sich nicht in günstigen japanischen Modellen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Tourbillon und einer Komplikation?
Eine Komplikation ist der Oberbegriff für jede Funktion, die eine Uhr über die reine Zeitanzeige hinaus bietet. Ein Tourbillon ist ein besonderes Mitglied dieser Familie: ein von Hand veredelter Mechanismus, der die Hemmung in einen drehenden Käfig setzt, um den Einfluss der Schwerkraft auszumitteln.